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Gebet im Alter
Herr Jesus Christ,
nimm meine Hände und führe mich,
ich werde älter und brauche dich.
Die Haare bleichen, der Gang wird schwer,
Herr, stütze mich, sonst geht´s nicht mehr.
Herr Jesus Christ,
nimm meine Hände und sei mein Licht,
allein kann ich nicht gehen, verlass mich nicht.
Ich brauche deine Hilfe, ach fasse meine Hand
und führe mich durchs Dunkel ins Vaterland.
Herr Jesus Christ,
nimm meine Hände, erhöre mich,
es geht nicht mehr alleine, zu schwach bin ich.
Verlass mich nicht im Alter, gedenke mein
und führe mich in Gnaden zum ewigen Leben ein.
Herr Jesus Christ,
wenn ich denn sterben soll, bleib du bei mir
und schenke mir die Gnade, dass ich von dir
gehalten und geborgen sanft schlafe ein
im felsenfesten Glauben, dass ich auf ewig dein.
(Otto Gmehling, ehem. Vorsteher der Siebenten-Tags-Adventisten in Europa )
Die Bibel gleicht einem Palast
Die Bibel gleicht einem wunderschönen, aus 66 Marmorblöcken erbauten Palast. Es sind ihre einzelnen Bücher. Mit dem ersten Buch Mose betreten wir die Vorhalle, die von den mächtigen Schöpfungstaten Gottes erfüllt ist.Von hier aus gelangen wir in die Gemäldegalerie der Geschichtsbücher. Wir erblicken an den Wänden Darstellungen von Schlachtszenen, Abbildungen heldenhafter Taten und Bilder berühmter Männer aus der Frühzeit der Weltgeschichte.
Hinter der Bildergalerie finden wir den Philosophensaal, das Buch Hiob. Wir gehen weiter und betreten das Musikzimmer, das Buch der Psalmen, wo wir den schönsten Melodien lauschen, die menschliche Ohren jemals wahrnehmen konnten.
Dann kommen wir ins Arbeitszimmer, das Buch der Sprüche, wo uns mitten im Raum die Weisheit in die Augen fällt: „Gerechtigkeit erhöht ein Volk, aber die Sünde ist der Leute Verderben!“
Von dort gehen wir hinüber in die Kapelle des Predigers, der von seiner Kanzel herab zu uns spricht, und von da in den Wintergarten, das Hohelied Salomos, mit der Rose von Saron, der Lilie des Tales und allen Arten von duftenden Salbölen, Früchten und Blumen.
Schließlich betreten wir den Beobachtungsraum, das Observatorium der Propheten, die ihre Fernrohre auf nahe und ferne Sterne gerichtet haben, alle aber schauen sie sehnsüchtig aus nach dem hellen Morgenstern, der bald aufgehen soll.
Wir überqueren den Hof und gelangen in das Audienzzimmer des Königs, die vier Evangelien, wo wir vier sich ergänzende Bilder des großen Königs finden. Dahinter liegt das Arbeitszimmer des Heiligen Geistes, die Apostelgeschichte.
Gleich daneben liegt das Korrespondentenzimmer, die Briefe, wo wir Paulus und Petrus, Jakobus, Johannes und Judas eifrig schreiben sehen. Wenn wir wissen wollen, was sie schreiben – ihre Briefe liegen offen zu jedermanns Einsicht aus.
Bevor wir wieder hinausgehen, bleiben wir noch einen Augenblick auf dem Balkon stehen, von dem wir einige erregende Bilder vom kommenden Weltengericht und der zukünftigen Herrlichkeit Gottes sehen können – das Buch der Offenbarung Jesu Christi.
Der letzte Blick, der uns vor Ehrfurcht erschauern läßt, fällt in den Thronsaal des Königs des Universums.
Ein Brief an Dich . . .
Wie geht es Dir? Ich schreibe Dir, weil ich unbedingt etwas mit Dir besprechen muß. Ich wollte Dich schon mehrmals ansprechen, aber für dieses Gespräch hast Du immer keine Zeit.
Gestern morgen habe ich lange gewartet, bis Du aufgewacht bist, um zusammen mit Dir einen Plan für den kommenden Tag zu machen. Ich wollte Dir Kraft geben für die verschiedenen Aufgaben, die an diesem Tag auf Dich warteten. Aber Du hast Dich immer wieder auf die andere Seite gedreht, um den süßen Schlaf noch ein wenig zu verlängern. Und nachdem Du aufgestanden warst, hattest Du keine Zeit mehr für ein Gespräch mit mir.
Du hast Dich gewaschen, Dir die Zähne geputzt, Du brauchtest lange, um Dich sorgfältig anzuziehen; wie lange hast Du anprobiert, bis alle Kleidungsstücke auch wirklich gut zusammenpaßten. Dann kämmtest Du Dich gründlich, um gut auszusehen. Ein letzter Blick in den Spiegel, und während Du zur Tür gegangen bist, hast Du noch schnell einen Blick auf die Bibel geworfen. Ich dachte: Jetzt wirst Du mein Wort lesen und wenigstens eine Minute mit mir sprechen! Ich wandte Dir meine ganze Aufmerksamkeit zu aber Du bist schnell aus dem Haus gegangen und hast die Tür zugeschlossen. Und Du bemerktest nicht einmal, daß ich an Deiner Seite war.
Im Laufe des Tages wollte ich immer wieder mit Dir sprechen. Ich habe auf einen passenden Moment gewartet. Kannst Du Dich an das Frühstück in der Arbeitspause erinnern? An das heiße Getränk und den guten Geschmack der Brötchen? All das kam von mir, aber Du dachtest überhaupt nicht daran, ein Dankeschön zu sagen . . .
Nach dem schmackhaften Mittagessen atmetest Du schwer durch. Und ich habe neben Dir gestanden und sehnsüchtig gewartet: Ob Du jetzt mit mir darüber sprechen wirst, was Deine Probleme sind und was Deine Seele beschwert? Ob Du mich um Hilfe fragen wirst? Ich wußte: Da ist eine ganz besondere Sache, die Deine ganze Aufmerksamkeit beansprucht; diese Sache drückt Dich so sehr, daß alles andere davon überdeckt wird. Alle Deine Gedanken drehen sich intensiv darum, wie diese Situation ausgehen wird. Warum hast Du mich in diesem Moment nicht um Rat gefragt? Dachtest Du, Du bekämst von mir keine gute Antwort?
Ich wollte Deine Tränen trocknen. Ich wollte Dir helfen auf meine Weise, so wie ich das zu tun pflege. Und so schickte ich Dir einen sanften warmen Wind. Und verschiedene Vögel, die Dich fröhlich stimmen sollten mit ihrem Gesang. Sie sollten Dich ablenken von Deinen traurigen Gedanken. Und ich sandte Dir Sonnenstrahlen und einen leuchtend blauen Himmel . . . Aber Du nahmst dies alles gar nicht wahr und hast nicht ein einziges Mal an mich gedacht.
Auch als Du von der Arbeit nach Hause kamst, verwandtest Du nicht einen Gedanken an mich. Es ging Dir nur darum, schnell ein Abendbrot zu essen und das Fernsehgerät einzuschalten. Das Programm fesselte Dich bis spät in die Nacht. Die Probleme fremder Leute, die im Fernsehen dargestellt wurden, waren Dir wichtiger als die Lösung Deiner eigenen Probleme.
Du bist an diesem Tag sehr müde und erschöpft nach Hause gekommen. Ich verstehe Dich gut. Ich sage nicht, Du seist selber schuld, daß Du so innerlich ausgelaugt in Dein Bett gefallen bist. Ich weiß, in diesem Zustand ist es sehr schwer zu beten. Da hat man keine Kraft mehr, über heilige Dinge nachzudenken.
Und trotzdem: Ich hatte so sehr gehofft, Du würdest Dich an mich wenden. Lediglich zwei-, dreimal, während Du im Einschlafen warst, durchzuckte Dich wie ein Blitz ein kurzer Gedanke an mich aber der Schlaf überwältigte Dich, und Du warst völlig wehrlos.
Ich hatte den ganzen Abend sehr gewartet. Ich wollte zusammen mit Dir nachdenken über den vergangenen Tag, Dir helfen, Deine Gedanken zu ordnen und zu analysieren. Ich weiß, wie man in diesen Momenten trösten und Mut geben kann.
Wenn der neue Tag kommt, bin ich wieder ganz in Deiner Nähe. Vielleicht denkst Du diesmal an mich und brauchst mich. Ich bin da.
DEIN FREUND JESUS